H I N T E R G R U N D

Trotz der internationalen Bemühungen um die Einhaltung der Menschenrechte nehmen organisierte staatliche Verfolgung und systematische Folterungen weltweit zu, ebenso schwere Traumatisierungen der Zivilbevölkerung in Kriegen und Bürgerkriegen.

Große Flüchtlingswellen von Verfolgten und Bedrohten

Terrorregime und gewaltsam ausgetragene Konflikte produzieren große Flüchtlingswellen von Verfolgten und Bedrohten, die vor Allem in die jeweiligen Nachbarländer strömen. Nur wenige Menschen erreichen als Flüchtlinge die Exilländer Europas, Nordamerikas und Australiens.

Folter als übelste Form abichtsvoller und planmäßiger Grenzverletzung

Folter wird von Menschen an Menschen verübt und ist wohl eine der übelsten Formen absichtsvoller und zumeist planmäßiger Grenzverletzungen. Das betroffene Individuum gerät durch sie in eine Situation von extremer Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein. Darüber hinaus beinhaltet Folter tief in die Persönlichkeitsstruktur und in die sozialen Beziehungen eingreifende Erniedrigungen und Entwürdigungen.

Körperliche und psychische Folterungen mit System

Bei systematischer Folter sind körperliche und psychische Folterungen immer miteinander verschränkt. Den Opfern werden unerträgliche Schmerzen zugefügt, um an deren Psyche zu gelangen und sie für Suggestionen, existenzielle Drohungen, Reizüberflutung oder -entzug und andere psychologische Torturen empfänglich zu machen. Es werden regelhaft auch solche Formen der Demütigung und Gewalthandlung eingesetzt, die in der jeweiligen Kultur der Opfer besonders tabuisiert und entehrend sind, z.B. sexualisierte Gewalt und Folter an Frauen aus traditionellen und muslimisch geprägten Gesellschaften.

Zerstörung der Persönlichkeit als Ziel

Ziel der »modernen« Folter ist die plan- und absichtsvolle Beschädigung bzw. die Zerstörung der Persönlichkeit der Opfer. Während sie biologisch möglichst am Leben bleiben sollen (mit Vermeidung von sichtbaren Folterspuren), sollen sie in ihren psychischen Beschädigungen als Abschreckung für Opposition, für Auflehnung und Ungehorsam Andersdenkender dienen.

"Verschwundene" Angehörige und psychisches Leid der Hinterbliebenen

Wenn die Gefolterten unter den Torturen sterben, werden sie in der Öffentlichkeit und gegenüber Angehörigen zumeist als »verschwunden« bezeichnet, womit sich Behörden und staatliche Organe und letztlich die unmittelbaren Täter der Verantwortung entziehen können. Darüber hinaus wird in kalkulierter Absicht für die Hinterbliebenen bzw. die Suchenden psychisches Leid ohne Ende geschaffen, da diese nicht einmal den Angehörigen bestatten und den Verlust betrauern können.