F A Q – F R A G E N   Z U M   B Z F O

Was bietet das Zentrum ÜBERLEBEN?

Das Zentrum bietet geflüchteten Menschen und Migrant/innen Unterstützung bei der Rehabilitation und Integration. Unser Angebot umfasst ambulante medizinische Versorgung und Therapie für traumatisierte Erwachsene, Kinder und Jugendliche, eine akute psychosoziale Versorgung für neu ankommende, traumatisierte Geflüchtete, intensive Unterstützung und Alltagsstruktur für Männer und Frauen in einem tagesklinischen Setting in Kooperation mit der Charité. Frauen, die schwere Gewalt erlebt haben, finden in einem therapeutischen Wohnverbund Hilfe. Soziale Arbeit vervollständigt das Behandlungsangebot und trägt zur Stabilisierung bei. Wissenschaftliche Forschung und die Entwicklung von Therapieansätzen sowie die Dokumentation zu Ursachen, Folgen und Behandlungen von Traumata begleiten die Arbeit im Zentrum. Geflüchtete Menschen und Migrant/innen finden bei uns psychologische, soziale und aufenthaltsrechtliche Beratung. Um im Alltag und Berufsleben anzukommen, bietet das Zentrum Integrationsangebote, berufliche Orientierung und Qualifizierung sowie soziokulturelle Projekte. Die eigene Berufsfachschule ermöglicht den staatlich anerkannten Abschluss „Sozialassistent/in (Schwerpunkt Pflege)“.

Wer sind die Patient/innen und Klient/innen des Zentrum ÜBERLEBEN?

Das Zentrum betreut jährlich über 500 Patient/innen, die Folter und Kriegsgewalt ausgesetzt waren. Die Erwachsenen, Kinder und Jugendlichen kommen aus Syrien, Afghanistan, der Türkei, Tschetschenien, Iran, Irak und über 50 weiteren Ländern. Wegen ihrer traumatischen Erfahrungen leiden sie z.B. an chronischen Schmerzzuständen, unkontrollierbaren Erinnerungen, Schlafstörungen mit Albträumen, psychosomatischen Beschwerden, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie schweren Depressionen. Daneben nehmen jährlich über 600 geflüchtete Menschen und Migrant/-innen aus fast 40 Ländern die Beratungs-, Integrations- und Qualifizierungsangebote im Zentrum wahr. Die eigene Berufsfachschule im Zentrum bildet jährlich etwa 100 Schüler/innen aus 20 Ländern aus.

Wie kommen Patient/innen und Klient/innen ins Zentrum ÜBERLEBEN?

Die Menschen, die bei uns Hilfe und Unterstützung suchen, kommen über Einrichtungen der Flüchtlingshilfe zu uns, werden durch Rechtsanwält/innen, ärztliche und psychotherapeutische Kolleg/innen ins Zentrum vermittelt oder erfahren über ihre Community von uns.

Wie arbeitet das Zentrum ÜBERLEBEN?

Unser multidisziplinäres Team aus den Fachrichtungen Medizin, Psychotherapie, Psychologie, Physio- und Kreativtherapie sowie Soziale Arbeit arbeitet auf Basis anerkannter Verfahren wie tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie und Verhaltenstherapie (Einzel- und Gruppenangebote) in einem interkulturellen Setting. Diese Arbeit ist nicht möglich ohne Sprach- und Kulturmittlung durch unsere speziell ausgebildeten Dolmetscher/innen. Mit unserem umfassenden Angebot setzen wir uns für die Wahrung der Rechte unserer Patient/innen und Klient/innen ein und unterstützen sie bestmöglich beim Aufbau ihres Lebens im Exil.

Wie finanziert sich das Zentrum ÜBERLEBEN?

Seine Arbeit finanziert das Zentrum zu etwa 50% aus öffentlichen Mitteln u.a. der EU, des Auswärtigen Amts und des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend sowie des Berliner Senats. Weitere nicht-öffentliche sowie private Unterstützer/innen sind u.a. das Deutsche Rote Kreuz, Misereor, Aktion Mensch, die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, die Stiftung Deutsche Klassenlotterie, die Henry-Maske-Stiftung, die Dr. F. Samimi-Stiftung sowie zahlreiche private Spender/innen.

Wer trägt die Behandlungskosten?

Über die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, dem Sozialgesetzbuch und dem Kinder- und Jugendhilfegesetz sind die Behandlungskosten nur zu einem Teil gedeckt. Während einige wenige Patient/innen aufgrund ihres Rechtsstatus gesetzlich krankenversichert sind, gilt dies für die meisten der Hilfe-suchenden nicht. Die Kostenerstattung liegt dann im Ermessen der Behörde.

Wohin fließen die Spenden?

Mit Spenden finanzieren wir vor allem die Bereiche unserer Arbeit, die nicht durch Kostenerstattung gedeckt ist. Ihre Unterstützung fließt z.B. in die Sprachmittlung im Rahmen der Therapie durch speziell ausgebildete Dolmetscher/innen, in die therapiebegleitende Soziale Arbeit, ressourcenstärkende Angebote wie Kunst- und Musiktherapie oder unseren Heilgarten.

Engagiert sich das Zentrum ÜBERLEBEN auch international?

In den letzten Jahren hat das Zentrum Forschungsprojekte u.a. in Kambodscha (Aufarbeitung der Roten Khmer-Verbrechen, Schwerpunkt Versöhnung) und Kolumbien (Gerechtigkeit und Versöhnungsprozesse zwischen intern Vertriebenen und ehemaligen Täter/innen) durchgeführt. Um Folterüberlebende vor Ort zu versorgen und Menschenrechtsarbeit von Partnerorganisationen außerhalb der EU zu stärken, engagiert sich das Zentrum auch international. 2005 gründete das Zentrum mit finanzieller Unterstützung durch das Auswärtige Amt, die EU und das U.S. Department of State (Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor) das erste Rehabilitationszentrum für Folterüberlebende im Nordirak. Mittlerweile bietet unser Kooperationspartner vor Ort, die Jiyan Foundation for Human Rights, an neun Standorten Hilfe für Überlebende von Folter, Gewalt, Völkermord und ethnischer Verfolgung.

Wie engagiert sich das Zentrum ÜBERLEBEN noch gegen Folter und Kriegsgewalt?

Als eine Institution am Schnittpunkt von Rehabilitation, Integration und Menschenrechten klärt das Zentrum auf durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen, eigenen Vorträgen und Fachpublikationen, über die Teilnahme an Tagungen und Kongressen, Netzwerkarbeit in nationalen und internationalen Organisationen und Gremien sowie eine aktive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. International engagieren wir uns für den Aufbau von Behandlungszentren in Verfolgerstaaten und Krisengebieten. Das Zentrum selbst ist politisch unabhängig, aber nicht neutral. Wir ergreifen Partei für Überlebende von Menschenrechtsverletzungen und fördern ihre Rehabilitation und Integration. Wir sehen die Verwirklichung ihrer Rechte als Teil unserer Arbeit und unterstützen die Überlebenden, gesellschaftliches Gehör zu finden. Wir sind den Inhalten der UNAntifolterkonvention (CAT), der UN-Menschenrechtscharta, der UN-Kinderrechtskonvention, der Madrider Erklärung der europäischen Ärzteschaft zur Ächtung ärztlicher Beteiligung an Folter sowie den Konventionen des Europäischen Parlaments zu Menschenrechtsfragen verpflichtet.