Programm für Überlebende von Verfolgung und Genozid

Im Laufe der so genannten Anfalkampagne vernichtete die irakische Armee in den 1980er Jahren ca. 5.000 Dörfer durch Giftgasangriffe und systematische Zerstörung. Hunderttausende wurden getötet oder verschwanden spurlos, mussten aus ihren Heimatdörfern fliehen, wurden inhaftiert oder in Zwangslager deportiert.

Bis heute sind die ländlichen Gebiete sehr viel ärmer als die großen Städte. Da sie jahrelang vernachlässigt wurden, mangelt es ihnen an Infrastruktur und Arbeitsmöglichkeiten, so dass sie nicht wie die städtischen Gebiete vom steigenden Wohlstand profitieren.

Halabja, eine Stadt nahe der iranischen Grenze, erlangte traurige Berühmtheit durch die Giftgasanschläge am 16. und 17. März 1988. Während dieser zwei Tage starben mindestens 5.000 Menschen durch tödliches Senfgas und unterschiedliche Neurotoxine. Schätzungen zufolge wurden bis zu 10.000 Menschen schwer verletzt, viele von ihnen starben auf der Flucht.

Projekte für Überlebende von Giftgasangriffen

Mit Hilfe des Auswärtigen Amtes eröffneten das bzfo (heute Zentrum ÜBERLEBEN) und die Jiyan Foundation for Human Rights im Sommer 2010 ein Projekt für die Opfer der Giftgasanschläge in Halabja.

Bis heute leiden die Überlebenden von Halabja unter einer Vielzahl physischer und psychischer Spätfolgen. Dies beinhaltet schwere Erkrankungen der Lunge, Sehstörungen oder Hautprobleme,  für die sie fortwährende und sehr teure Behandlung benötigen. Des Weiteren leiden die Überlebenden unter posttraumatischen Belastungsstörungen, Depressionen und Schuldgefühlen, Aggressionen oder Entfremdung. Als Folge dessen sind viele Opfer nicht in der Lage zu arbeiten und stehen vor großen finanziellen Schwierigkeiten, sofern sie keine Angehörigen haben, die sie unterstützen können.

Aufgrund der großen Anzahl extremer physischer Erkrankungen unter den Betroffenen legt dieses Projekt einen Schwerpunkt auf spezialisierte medizinische Betreuung. Da die Giftgasangriffe auch die ländlichen Gegenden um Halabja trafen, sucht ein Mobilteam regelmäßig Überlebende auf dem Land auf.

Seit dem ersten Tag erfuhr das Projekt enorme Zustimmung seitens der Überlebenden, so dass die Anzahl der Hilfesuchenden die Kapazitäten des Teams zunächst bei weitem überstieg. Zwischen August 2010 und Dezember 2013 behandelte das Team aus Ärzten und Therapeuten fast 1700 Patienten, davon 66% Frauen.

Mobile Teams für ländliche Gebiete

Mobile Teams erwiesen sich als eines der wenigen Mittel, um Opfer von Menschenrechtsverletzungen in ländlichen Gebieten zu erreichen. Viele dieser Menschen leben in Armut und haben keinen Zugang zu professioneller Gesundheitsfürsorge oder weiterführender Bildung. Besonders weibliche Überlebende und ihre Kinder sind häufig nicht in der Lage, die großen Städte aufzusuchen, um Hilfe und Rehabilitation zu erhalten.

Um diese Menschen zu erreichen, betreiben wir mehrere Mobile Gesundheitsteams, die seit 2009 von den Städten Kirkuk, Erbil und Chamchamal aus die umliegenden Dörfer und Kleinstädte aufsuchen. In enger Kooperation mit lokalen Gesundheitsämtern bieten sie ambulante medizinische und psychosoziale Hilfen an.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der Bedarf an psychosozialer Unterstützung auf dem Land enorm ist. Seit 2009 erhalten auf diese Weise jährlich etwa 500 Menschen Hilfe, davon sind 70% Frauen und Kinder. Die meisten von ihnen erhielten erstmalig Behandlung und Beratung für psychische oder soziale Probleme.

Links

www.jiyan-foundation.org

Kontakt

Salah Ahmad
Projektleiter
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Friederike Regel
Projektkoordinatorin
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