Das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK)  Heidelberg
- eine psychiatriehistorische Studie

Hintergrund

Im Frühjahr 1970 entstand an der Psychiatrischen Poliklinik der Universität Heidelberg eine Patientengruppe, die sich im Verlauf des Konfliktes eines Assistenzarztes und seiner Patienten mit Klinik-, Universitätsleitung und Kultusministerium "Sozialistisches Patientenkollektiv Heidelberg" (SPK) nannte. Das SPK entwickelte eine eigene Krankheitstheorie, nach der die einzig konsequente kausale Bekämpfung der Krankheit in der „Abschaffung der krankmachenden privatwirtschaftlichen, patriarchalischen Gesellschaft" bestehe. Nach der Leitidee des SPK "Aus der Krankheit eine Waffen machen" sollte der Kranke sein „bewusstloses Unglück“ in ein „unglückliches Bewusstsein“ verwandeln, über das er die Ursache seines Elends erkennt. Das Arzt-Patientenverhältnis als Ausdruck der „Objektrolle“ des Patienten sollte aufgehoben und stattdessen „jeder Patient Therapeut seiner selbst und anderer Patienten werden.“

Nachdem dem Assistenzarzt von der Klinikleitung gekündigt worden war, bot der Rektor der Universität dem SPK die Fortführung seiner therapeutischen Arbeit in Universitätsräumen an. Der vereinbarte Kompromiss scheiterte, im Juli 1971 löste sich das SPK auf. Teile der Gruppe wurden in der Folgezeit wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt und andere schlossen sich der RAF an.

Ziel der Studie

Es gibt nur wenige fragmentarische Untersuchungen über das SPK. Über die therapeutische Praxis des SPK ist kaum etwas bekannt, Innenansichten liegen so gut wie nicht vor.

Von einigen Autoren wird das SPK als erste Patientenselbstorganisation in der Psychiatrie, als emanzipatorisches Projekt im Zuge der Psychiatriereform betrachtet, von anderen dagegen als Sekte bzw. als Untergruppe der RAF. Die Studie soll diesen Fragen nachgehen über den Weg einer detaillierten Rekonstruktion der damaligen Ereignisse. Dies soll mittels Archivrecherchen, Auswertung der Selbst- und Fremddarstellungen des SPK sowie anhand von Gesprächen mit beteiligten Patienten, Ärzten und politischen Entscheidungsträgern erfolgen. Dabei sollen der zeithistorische Kontext der Antipsychiatrie-Bewegung, der Psychiatriereform und der studentischen Protestbewegung berücksichtigt werden.

Förderung

Die Studie wird von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur finanziert.