... hatte die Nachbarin einen zahlungskräftigen Mann gefunden, der Fatou als zweite, junge Frau nehmen wollte. Fatou, jeglichen Schutzes durch Erwachsene beraubt, wandte sich in ihrer Verzweiflung an eine Markthändlerin, die mit ihrer Mutter Geschäfte gemacht hatte. Jedes Mal, wenn sie ihr bei den seltenen Marktgängen begegnete, flehte sie sie um Hilfe an. Schließlich, nach vielen Monaten des Martyriums, hatte die Frau die Flucht für Fatou organisiert.

In Deutschland angekommen, musste Fatou jedoch erkennen, dass sie weiterhin sexuell ausgebeutet wurde, denn sie war in einem Bordell gelandet. Nach gut einer Woche gelang ihr dort jedoch aus eigener Kraft die Flucht. Von der Polizei auf der Straße aufgegriffen, wurde sie schließlich in die Aufnahmeeinrichtung für minderjährige Flüchtlinge in Berlin gebracht. Dort erhielt sie endlich altersgerechte Betreuung, sie konnte die Schule besuchen und erhielt einen Platz in einer Jugend-WG.

Zur Therapie wurde sie angemeldet, nachdem sie ihre Geschichte offenbart hatte und in zunehmenden Maße Verhaltensprobleme aufgetreten waren. Fatou konnte nachts kaum schlafen, immer wieder hatte sie aggressive Auseinandersetzungen mit Gleichaltrigen und äußerte Selbstmordabsichten.

Zur Behandlung kam sie anfangs eher unwillig und zeigte sich wenig zugänglich. Ihr Misstrauen gegen die Mitmenschen, begründet in den vielfältigen Gewalt- und Ausbeutungserfahrungen in ihrem jungen Leben, erschwerte die Beziehungsgestaltung, Grundlage jeglicher therapeutischer Wirkungskraft.

Erst allmählich und nachdem sie die Therapeutin hinreichend auf die Sicherheit der Beziehung geprüft und für annehmbar befunden hatte, konnte sich Fatou auf die Therapie einlassen. Fatou nimmt inzwischen regelmäßig ihre Termine wahr und hat der Therapeutin einen kleinen Einblick in ihre fest verschlossene und hermetisch gesicherte innere Welt erlaubt. Sie weiß inzwischen besser, wie sie Körpersignale erkennt und kann sie einordnen. Aggressive Impulse kann sie besser kontrollieren und unterscheiden, ob real Gefahr besteht oder ob "der Film im Kopf" - mit den Erlebnissen von früher - losgeht.

Die Therapie ist noch nicht zu Ende, aber Fatou ist inzwischen in ihrem Leben in größerer Sicherheit angekommen.