K I N D E R  -  U N D  J U G E N D A B T E I L U N G

Die Kinder- und Jugendabteilung (KJA) im Zentrum ÜBERLEBEN unterstützt traumatisierte Kinder und Jugendliche bei der Bewältigung ihrer Lebenssituation im Exil, behandelt die Folgen von Kriegstraumata und fördert die weitere kind- und jugendgerechte Entwicklung. Insgesamt stehen 15 Therapieplätze zur Verfügung. Jährlich erhalten über 80 Mädchen und Jungen psychosoziale Beratung, Psychotherapie und nehmen Gruppenangebote wahr. Die Kinder und Jugendlichen kommen zur Zeit vor allem aus Tschetschenien, Afrikanischen Staaten, dem Nahe Osten, Afghanistan, Irak und dem Kaukasus.

Kinder und Jugendliche auf der Flucht

Mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge auf der Welt sind Kinder und Jugendliche. Nach Schätzungen von Flüchtlingsorganisationen sind dies mehr als 16 Millionen Minderjährige. Sie fliehen vor Krieg, Gewalt, Zwangsrekrutierung sowie politischer, religiöser und geschlechtsspezifischer Verfolgung. Auch in Berlin leben mehrere tausend Flüchtlingskinder und -jugendliche, darunter Kinder aus Flüchtlingsfamilien und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die durch Kriegserlebnisse und Flucht zum Teil schwere seelische Verletzungen erlitten haben.

Angebot

In der KJA stehen 15 Plätze für ambulante Diagnostik und Psychotherapie zur Verfügung. Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/innen der KJA arbeiten mit tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Spieltherapie, EMDR sowie DBT (Dialektisch-behaviorale Therapie)-basierte Psychotherapie. Im Schnitt werden die jungen Patient/innen über einen Zeitraum von 0,5 bis 2 Jahren behandelt. Ergänzend bietet die KJA Musiktherapie sowie Gruppen- und Freizeitangebote. Im Anschluss werden sie noch ein bis zwei Jahre im Rahmen von Nachsorge oder der Gruppenangebote unterstützt.

Eltern und wichtige Bezugspersonen werden regelmäßig in die Therapie mit einbezogen. In der Regel wurde ein Antrag auf Asyl gestellt, das heißt die von uns behandelten Kinder und Jugendlichen erhoffen sich, dauerhaft in Deutschland bleiben zu können. Das dolmetschergestützte therapeutische Angebot wird von den Jugendämtern nach SGB VIII § 27 III bzw. 35a finanziert.

Zur Zeit bietet die Kinder- und Jugendlichenabteilung:

  • Ambulante Psychotherapie
  • Beratung von Eltern und anderen Bezugspersonen
  • Beratung und Behandlung erfolgen bei Bedarf mit Dolmetscher/innen
  • Fachberatung von Kollegen und Bezugspersonen
  • Weitervermittlung an andere Fachstellen oder Therapeuten
  • Fortbildung auf dem Gebiet der Arbeit mit traumatisierten Kinderflüchtlingen
  • Wahrnehmung des Kinderschutzauftrages nach § 8a SGB VIII

Damit die Kinder und Jugendlichen optimal betreut werden können, bedarf es zusätzlicher Beratung, Begleitung und sozialarbeiterische Begleitung und gegebenenfalls enger Kooperation mit den zuständigen Jugendämtern. Die sozialarbeiterische Begleitung sichert die Rahmenbedingungen für die Psychotherapie und setzt Kapazitäten zur therapeutischen Versorgung frei.

Im Gegensatz zur ambulanten Psychotherapie, die teilweise über die Leistungen aus dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) finanziert werden, sind diese Angebote sowie Gruppen- und Freizeitangebote nicht über öffentliche Mittel finanziert. Als Ergänzung sind sie jedoch wesentliche Voraussetzung für das Gelingen des Therapie- und Rehabilitationsprozesses und auch für Entwicklungs- und Autonomieförderungen der jungen Patientinnen und Patienten.

Team

Wir arbeiten als Fachkräfte im Team sehr eng zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Sozialarbeit, so dass sowohl soziale und rechtliche, als auch psychische Aspekte in der Beratung und der Psychotherapie bearbeitet werden können.

Bisherige Projekte

In Kooperation mit Aktion Mensch wurde von Herbst 2008 bis Herbst 2011 das Projekt "Psychosoziale Hilfen für traumatisierte unbegleitete Flüchtlingsjugendliche" durchgeführt.
Aktuell sind 65% der Patient/innen der Kinder- und Jugendabteilung unbegleitete minderjährige Flüchtlingsjugendliche. Für sie wurde im Rahmen des Projekts ein Programm erarbeitet, das gruppenpädagogische Angebote und individuelle Einzelfallhilfe umfasst:

Soziales Kompetenztraining mit Freizeitaktivitäten

Traumatisierte Jugendliche hatten durch ihre Sozialisation im Krieg meist nicht die Möglichkeit, altersgemäße Entwicklungsschritte, zu denen die Herausbildung sozialer Kompetenzen gehört, umfassend zu vollziehen. Hier wurden in 14tägigen Treffen Selbstsicherheit, Umgang mit Konflikten, Lob und Kritik oder Kommunikation und Körpersprache trainiert. Zusätzlich zum Training wurden Freizeitaktivitäten durchgeführt, in denen Erlerntes erprobt werden konnte.

Aufgrund der besonderen Lebenslage der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge ist ein Gruppenangebot jedoch nicht ausreichend. Besonders mit Erreichen des 18. Lebensjahres, welches meist auch das Ende der Jugendhilfe und der therapeutischen Behandlung darstellt, wurde ergänzende Einzelfallunterstützung gewährleistet. Zum Beispiel in Form von Begleitung in aufenthaltsrechtlichen Verfahren, Vermittlung tagesstrukturierender Maßnahmen, Koordination weiterer medizinischer oder therapeutischer Behandlungen, Hilfestellungen bei Behördenangelegenheiten bis zur Ausbildungsplatz- und Arbeitssuche.

Leitung

Simone Wasmer
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin