Die langwierige Arbeit mit dem Foltervirus

Tadesse war Chefredakteur einer regierungskritischen Zeitung in Addis Abeba. Über amnesty international kam Tadesse im Herbst 2006 ins bzfo (heute Zentrum ÜBERLEBEN) - mit der Erwartung, in ein oder zwei Monaten geheilt zu sein. Zurückblickend war diese Einschätzung zu voreilig, wie Tadesse selbst berichtet.

„Diese Erwartung verkehrte sich ins Gegenteil. Ich war über ein Jahr hier, mit vielen Möglichkeiten zur Heilung. Aber ich heilte nicht. Es ging genauso weiter wie im Gefängnis. Ich konnte nicht schlafen. In öffentlichen Verkehrsmitteln standen die Leute auf, um aus meiner Nähe zu fliehen. Auf der Straße starrten sie mich an. Manche gaben mit Taschentücher, andere Bonbons und wieder andere böse Blicke.

Mich frustrierte das alles zunehmend  -  jedoch nicht die Mitarbeiter des bzfo. Sie begannen eine umfassende Kampagne gegen meine Schmerzen, getragen von den Disziplinen Medizin, Psychologie, Physiotherapie und Sport. Auf medizinischem Gebiet allein erhielt ich vierzig unterschiedliche Untersuchungen. Sie entdeckten zwar alle meine unterschiedlichen Gesundheitsprobleme, aber nicht das "Foltervirus".

Die Arbeit mit diesem "Foltervirus" wurde letztendlich durch die Geduld und harte Arbeit der Therapeuten im bzfo möglich. Von meinen Beschädigungen durch die Folter, der ich mehr als einer Dekade ausgesetzt war, bin ich heute zu mehr als 50% wiederhergestellt. (...)"

Ihre Spende trägt dazu bei, in teils langwierigen Therapien die Verletzungen zu behandeln, die Sprachlosigkeit und die Isolation zu durchbrechen, die das „Foltervirus“ verursacht.

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